Reisebericht 2017

Projektbesuche Januar / Februar auf Mindanao Philippinen

Die Reise beginnt.

Welche Spannung! Schon am Flughafen die Erste Nervenprobe: Zuviel Gepäck. Was, wirklich? Sogar das Handgepäck wird gewogen. 9 kg statt 7Kg - alles Schoggi! „Bitte, das sind alles Geschenke! Was kann ich tun?“ Ich lächle den netten Mann am Schalter fragend und bittend an. Er zwinkert mir zu „ok. lassen wir’s“!  Gerettet! Jetzt kann nichts mehr schief gehen.
Und tatsächlich, wir haben einen ruhigen Flug, beobachten herrliche Wolkengebilde und nach 20 Stunden landen wir  sicher in Davao bei 33 Grad.


Unser Ziel ist es möglichst viele der Projekte, die durch den Theresa-Laden unterstützt, werden zu besuchen. Ca. alle zwei Jahre besuchen wir die Projekte, um sicher zu stellen, dass unsere Beiträge auch ihr Ziel erreichen und ihr Auftrag erfüllen.


Vor 25 Jahren haben wir mit den Assumption Sisters in den Bergen von Mindanao die erste Ureinwohnerschule mit ca. 10 Kindern gegründet. Jetzt sind es ca. 2000 Schüler in 25 Schulen, welche Bildung erhalten. Viele der ehemaligen Schüler sind als Lehrer/innen wieder zu ihren Stämmen zurückgekehrt, um dort ihr Wissen an die Kinder weiterzugeben. Der Theresa-Laden übernimmt Lehrerlöhne.
Neu sind nun auch 3 High Schools für Lumad-Kinder eröffnet worden. Diese Schulen ermöglichen den Kindern den Anschluss zum College und zur Universität. Die Regierung hat sich bis jetzt dieser Bildung verweigert. Es ist einfacher, ungebildeten Menschen das ressourcenreiche Land wegzunehmen und sie zu vertreiben!

So haben mein Kollege Fredi und ich, einige Schulen besucht und sind überall mit Gesang, Tanz und Pantomime empfangen worden. Die High School Kinder bleiben, ausser während den Sommerferien und Weihnachten, das ganze Jahr im Schulkomplex mit kleinen einfachen Bambus-Schlafräumen. Agrikultur, Hygiene, Ethik, Gesundheit, Krankenbetreuung haben grossen Stellenwert. Selbstvertrauen und Selbstständigkeit werden gefördert. Die Tradition der verschiedenen Stämme wird gepflegt.

Der Theresa-Laden hat es sich auch zur Aufgabe gemacht Nothilfe zu leisten bei Menschen die von der Regierung von ihrem Land vertrieben wurden. Für Ureinwohner ist es unmöglich, in der Stadt eine Arbeit zu finden und ohne ihr Land haben sie nichts mehr. Bei sämtlichen Projekten wurde uns tiefe Dankbarkeit entgegengebracht - für die geleisteten Einsätze des Theresa-Ladens. Auch wenn es ihnen nicht leicht fällt auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, so wissen sie sie sehr zu schätzen.

Hier ein paar aktuelle Eindrücke:

  • Immer noch gibt es in Davao das Evakuationszentrum Haaran, in dem seit zwei Jahren ca. 400 vertriebene Ureinwohner eng zusammengepfercht, ohne Perspektiven, in Bretterverschlägen wohnen. Sie warten sehnsüchtig auf ihre Rückkehr, wissen aber nicht, was mit ihrem Land bis geschehen ist. Um uns willkommen zu heissen, haben die Kinder und Erwachsene Tänze aufgeführt. Sie haben sich immer wieder bedankt für die Nahrungshilfe durch den Theresa-Laden. Nirgends aber habe ich so traurige Kinderaugen gesehen wie hier.
  • In Bukidnon haben wir weitere vertriebene Stämme besucht. Das Militär hat ihre Häuptlinge vor den Augen der Familien erschossen. Angst und Schrecken hat sich verbreitet! Viele Kinder sind traumatisiert. Alle möchten auf ihr angestammtes Land zurück, doch ob das je möglich sein wird, ist zu bezweifeln.
  • Viele Slumbewohner erleiden dasselbe Schicksal. Fischerdörfer werden weg gewalzt, um für die Reichen luxuriöse Resorts zu errichten, Shopping Centers wachsen in den Himmel, Blechhütten von Tausenden werden zerstört! Und die Menschen die in den Hütten gewohnt haben, wo finden sie wieder ein Dach über dem Kopf? Und das alles im Zeichen der Globalisierung?
Cooperativ Laden
Cooperativ Laden

Zum Schluss aber eine erfreuliche Nachricht!
Vor ca. 10 Jahren haben wir Arbeiter einer Zuckerrohrplantage besucht. Sie haben dort wie Sklaven gearbeitet und waren tief verschuldet. Wir konnten dort einen Cooperativ-Laden aufbauen, der jedes Jahr gewachsen ist. Die Arbeiter können dort billiger ihren Reis einkaufen u. zugleich verkaufen. Mit einem Lastwagen vom Theresa-Laden können sie Transporte für Dritte tätigen, für ihren Laden einkaufen, Reis und Getränke an andere liefern. „Wir brauchen nichts mehr, wir sind jetzt selbstständig“ Antwort der einstige Sklaven-Plantagen Arbeiter der Busco-Farm in Bukidnon.


Auch wenn wir an vielen Orten Nothilfe leisten und die Situation manchmal herzzerbrechend ist und aussichtslos scheint, so sehen wir auch, dass sich viel verändert hat in den letzten 25 Jahren, nicht zuletzt dank unserem Einsatz.

 

Es lohnt sich, dran zu bleiben!                                            
Monika Baumann